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Foto: Keyvisual des Filmfestivals blicke 28 mit Springerin von Holger Mohaupt

blicke 28 - Zum Programm

veröffentlicht am

Aufgrund der bundesweiten Pandemiemaßnahmen kann die 28. Ausgabe von blicke – filmfestival des ruhrgebiets nicht im Kino stattfinden. Wir bedauern das sehr. „Die erneute Schließung von Museen, Ausstellungen, Theatern, Konzertsälen, Kinos und Festivals verursacht gesellschaftlichen und kulturellen Schaden von kaum absehbarem Ausmaß. Gerade in Zeiten der Pandemie sollten sie dem Publikum offenstehen. Wir brauchen diese Diskursorte“, erklärt Festivalleiterin Gabi Hinderberger. blicke 28 hat sich dennoch dafür entschieden, das Wettbewerbsprogramm online zu zeigen. Alle, die sich für das Programm interessieren, sollen die Filme trotz Kinoschließung sehen können. Das Wettbewerbsprogramm, das sich in die zwei Sektionen ein-blicke und aus-blicke unterteilt, wird während des Festivalzeitraums mit kostenloser Registrierung online angeboten. Spenden sind herzlich willkommen. Alle Filmprogramme werden zu den ursprünglich vorgesehenen Screening-Zeiten im Kino vom 18. – 22. November freigeschaltet und stehen für 10 Tage online.

Die Preisgelder werden selbstverständlich vergeben. Die Jury wird das Wettbewerbsprogramm online sichten und am Samstag, den 21. November die regulären Preise verlesen. Der Publikumspreis wird von einer Publikumsjury vergeben, die das Programm ebenfalls online sichten wird. Das Gastprogramm Spot-on: Sheffield Doc/Fest soll zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt werden. Weitere Teile des Rahmenprogramms werden auf die Festivalausgabe 2021 verschoben.

Alle Filmprogramme sowie die Preisverleihung werden auf www.blicke.org gestreamt.

Stabübergabe: Bei der Festivalleitung steht ein Generationswechsel an. Gabi Hinderberger, Mitbegründerin des Festivals, wird in diesem Jahr ihre letzte Festivalausgabe bestreiten. Sie bleibt dem Festival aber weiterhin mit der Leitung der Sektion Kinder- & Jugend-blicke erhalten. Ab dem kommenden Jahr wird blicke von einem dreiköpfigen Team gemeinsam geleitet: Alisa Berezovskaya, Felix Hasebrink und Katharina Schröder. Da eine persönliche Verabschiedung von Gabi Hinderberger in diesem Jahr nicht möglich ist, plant blicke im kommenden Jahr ein Mini-Sommer-Festival.

Zum Programm:

In unsicheren Zeiten sind Filme, die sich vielschichtig und kreativ mit gesellschaftlichen Zuständen auseinandersetzen, notwendiger denn je. Dabei kann gerade der Kurzfilm besonders schnell auf aktuelle Ereignisse reagieren. 2020 wurden so viele Produktionen eingereicht wie schon seit Jahren nicht mehr. Im Spektrum der ausgewählten 35 Filme sind historische Dokumentarfilme genauso vertreten wie Spielfilme, Experimentalfilme und Videokunst. Die Filmemacher*innen begeben sich auf Spurensuche – von der Kolonialzeit bis in die jüngste Vergangenheit – ziehen Verbindungen und decken Zusammenhänge auf. Zugleich wird die immer komplexer werdende Gegenwart erkundet – humorvoll, geistreich und poetisch.

Die Sektion ein-blicke widmet sich Filmen mit einem thematischen oder biografischen Bezug zum Ruhrgebiet. In Shetani von Niva Ehrlich wird die Suche nach dem Kopf des von deutschen Kolonialisten erhängten, tansanischen Widerstandskämpfer Mangi Meli zu einer Odyssee durch die Kolonialgeschichte bis in die deutsche Gegenwart. Dunkelfeld von Marian Mayland, Patrick Lohse und Ole-Kristian Heyer befasst sich mit einem Brandanschlag auf ein von Gastarbeiter*innen bewohntes Haus in Duisburg 1984. Sieben Menschen kamen ums Leben. Die Polizei schloss zwar sofort Rassismus als Motiv aus, doch viel später tauchen Belege für ein Attentat auf. Ausgehend von der Tätigkeit des Großvaters der Regisseurin Fumiko Kikuchi als Bergmann in Japan und ihrem eigenen Aufenthalt in Deutschland, untersucht Kikuchi in Glück auf die Geschichte japanischer Bergleute als Gastarbeiter im Ruhrgebiet zwischen 1957 und 1965. Pop, Politik, Kunst und Kritik: SPEX, eines der wichtigsten deutschen Musikmagazine, wurde Ende 2018 eingestellt. SPEX – eine Karawane von Jonas Dorscheid wandert mit ehemaligen Autor*innen, Redakteur*innen, Wegbegleiter*innen – und Helge Schneider – durch 40 Jahre Geschichte des Musikmagazins. Gegen alle Etiquette spielen wir die Klarinette! Die Rekonstruktion weiblicher Musikgeschichte unterliegt weißer männlicher Deutung. Die Collage SUSIE_Episode 1_Das Mütterkollektiv von der Feministischen Propaganda Pause widmet sich den Damenkapellen, die bis in die 1930er einen festen Platz in der Unterhaltungskultur Europas hatten. Um Männlichkeitskonstruktionen geht es in Causality and Meaning. Martin Brand zeigt 635 Bilddateien vor weißen Hintergrund: Logos, Internet-Memes, Illustrationen und Produktabbildungen, die Fragen zu rechter Internetkultur, Anti-Feminismus und White Supremacy aufwerfen. Unter Männern wächst die 9jährige taubstumme Sultan im kargen Osten Anatoliens auf. Das Drama Av von Irfan Akcadag erzählt in poetischen Bildern von einem Leben, das von der Suche nach Wasser bestimmt ist.

Die Sektion aus-blicke zeigt Filme von Filmemacher*innen außerhalb der Region und ohne Bezug zum Ruhrgebiet. Eric Esser reist in seinem Essay Der Engel der Geschichte an den französisch-spanischen Grenzort Portbou, wo Walter Benjamin sich auf der Flucht vor den Nazis das Leben nahm. Blicke auf ein Europa ohne Grenzen, in dem Grenzen vermehrt wieder eine Rolle spielen. Euphrat von Jelena Ilic ist die poetische Erzählung einer Flucht von Aleppo nach Köln, vom Euphrat an den Rhein, verbunden mit zerbombten Erinnerungen an die Vergangenheit. Juliane Ebner begibt sich in der Tuschanimation Durchgangslage auf Spurensuche: der Völkermord in Europa 1995. Ein Film über das Unterlassen und die Suche nach dem Punkt, an welchem hätte gehandelt werden müssen. In der Animation From Over Here von Patrick Buhr geht es um vieles, um Apfelbäume, ums Warten auf Bänken, um Würmer, Computer, Wörter, Symbole und um Rhythmus, denn eines ist sicher: Stottern ist keine Krankheit! Die Heldin in Katharina Hubers Animation Der natürliche Tod der Maus, die vor Corona entstanden ist, wurschtelt sich durch eine katastrophale Welt, schwankt beständig zwischen sozialer Nähe und Distanz, Verzicht und Beschränkung und nimmt dabei unweigerlich Bezug auf die gegenwärtige Situation.

Die blicke Jury 2020:

Elisa Linseisen, Dr., ist Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Medienwissenschaften der Universität Paderborn.

Eva Hegge ist Filmemacherin, Kunstwissenschaftlerin und -vermittlerin in Köln.

Philipp Peißen, aufgewachsen in Dorsten, ist Filmemacher, Kameramann, Cutter, Ausbilder für angehende Mediengestalter und freier Referent.

Das Festivalprogramm steht auf https://blicke.org/

für blicke

Jessica Manstetten,