blicke 26: Vom 21. - 25. November 2018


Preisträger

Dann muss es ja ein was weiß ich was Gutes geben

Florian Andreas Dedek

2016| 30:00 min

Faxen

Lisa Domin

2018| 09:11 min

Flüsse Täler Berge

Marco Kugel

2014| 41:00 min

Tiefenschärfe

Alex Gerbaulet, Mareike Bernien

2017| 14:30 min

Rebar

Julius Dommer

2017| 29:28 min

Made in Langendreer

Eric Jobs

2017| 18:00 min


Jurybegründung

1. Hauptpreis für DANN MUSS ES JA EIN WAS WEISS ICH WAS GUTES GEBEN von Florian Andreas Dedek

Die Geschichte eines nicht begangenen Verbrechens und dessen Folgen für eine Familie. Und die Geschichte einer fast vergessenen Epoche dieses Landes. Ein junger Filmemacher dreht einen Film über das Schicksal seiner Eltern, das auch sein Schicksal ist, und schafft einen eindringlichen, berührenden, referenzreichen Essay über politische Kämpfe, die beendet schienen, deren Nachhall jedoch bis heute spürbar ist.

2. Hauptpreis für FAXEN von Lisa Domin

Wir sehen ein verlassenes Sportfeld. Eine junge Frau artikuliert mit großen Gesten in einer für den Betrachter nicht nachvollziehbaren Zeichensprache. Der Empfänger ist zunächst nicht aufzufinden, die Codes scheinen ins Leere zu laufen. Erst einige Minuten später stellt sich heraus, dass „Vanessa“ mit Insassen der JVA Gelsenkirchen kommuniziert, die ihr mit der Taschenlampe durch die vergitterten Zellenfenster antworten. Die rohe Einfachheit, das Unerwartete und die selbstreflexive konzeptuelle Klarheit dieses Experimentalfilms haben uns als Jury überzeugt.

Querdenker-Preis für FLÜSSE TÄLER BERGE von Marco Kugel

Auf nüchterne und formal strenge Art und Weise thematisiert dieser Film die Schließung des letzten deutschen Schienenwerks in Duisburg-Bruckhausen. Er verbindet industrielle Ortsansichten mit hochemotionalen Originalreden und erzeugt dadurch ein Spannungsfeld von durchdringender Intensität. Seine gekonnten Tableaus lassen Raum für persönliche Anteilnahme, ohne je in Romantisierung zu verfallen. Ein Film, der immer wieder gezeigt werden sollte, auch wenn die Schauplätze dieses Arbeitskampfes schon längst aus der medialen Aufmerksamkeit verschwunden sind.

action: gender-Preis für TIEFENSCHÄRFE  von Mareike Bernien und Alex Gerbaulet

Deutsche Tatorte aus der Gegenperspektive, verbunden von einer Off-Stimme, die zum Medium eines unterdrückten Narrativs wird; einer Erzählung, die wider die Verdrängung um Deutungsmacht, um Sichtbarkeit ringt. Immer wieder kippt die statische Kamera in die Schieflage, beinahe in den Kopfstand – ein Taumel, der signalisiert, wie viel in der Aufklärung der NSU-Verbrechen verkehrt gelaufen ist.

aus-blicke-Preis für REBAR von Julius Dommer

Mit dem aus-blicke-Preis möchten wir einen Film auszeichnen, der sich rückhaltlos auf die Perspektive seines Protagonisten einlässt. Der ihn in jedem Moment ernst nimmt, ihm auf Augenhöhe begegnet und sich darum bemüht, mit seinem oft rasanten Tempo schrittzuhalten. Kein Problemfilm über Autismus, sondern ein geduldiges Porträt eines Jugendlichen, der uns seine und unsere Welt erklärt.

Publikumspreis für MADE IN LANGENDREER von Eric Jobs


Jury

Daniel Götzen

Er ist in Oberhausen geboren und in Mülheim an der Ruhr aufgewachsen, hat Medienwissenschaft mit filmtheoretischem Schwerpunkt in Bochum sowie Literatur und Medienpraxis in Essen studiert, zudem für den Hörfunk produziert. 2014 war er erstmals für blicke in der Auswahlkommission im Einsatz. Seine Vorliebe gilt dem essayistischen Film. Derzeit verdingt er sich in erster Linie als Lektor, nebenher aber auch als Filmvorführer in Mülheims einzigem Programmkino.

Ulrich Ziemons

ist Filmkurator. Er ist einer der Co-Kuratoren des Forum Expanded Programms der Internationalen Filmfestspiele Berlin. Er hat Filmprogramme und Ausstellungen für u.a. das Bucharest International Experimental Film Festival, die Kochi Muziris Biennale 2016, das National Museum of Modern and Contemporary (Seoul), für das Arsenal – Institut für Film und Videokunst, die KW – Institute for Contemporary Art und für die 6. Berlin Biennale kuratiert. Von 2014 bis 2017 war er Mitglied der Sichtungskommission Kurzfilm des Kasseler Dokfests. 2014 wurde sein Buch „Aufzeichnungen eines Storm Squatters“ veröffentlicht,  die erste deutschsprachige Monografie über den amerikanischen UndergroundFilmemacher George Kuchar und seine einflussreiche „Weather Diary“- Videoserie.

Miriam Gossing

ist freischaffende Künstlerin, Filmemacherin und Kuratorin aus Köln. Seit 2013 arbeitet sie im Künstlerduo Gossing&Sieckmann mit Lina Sieckmann. Gemeinsam haben sie zahlreiche experimentelle Essayfilme auf 16 mm-Film verwirklicht, in denen sie urbane und private Architekturen, hyperreale Environments und kollektive Sehnsüchte untersuchen. Sie kuratiert Experimentalfilmprogramme und hat 2013 zusammen mit Lina Sieckmann den Raum und das FilmemacherInnenkollektiv „Schalten und Walten“ in Köln gegründet. 2016 war sie Teil des Kuratoriums des KFFK Kurzfilmfestival Köln und wurde mit dem Deutschen Kurzfilmpreis in Gold in der Kategorie Experimentalfilm für „Ocean Hill Drive“ ausgezeichnet, sowie 2017 mit dem Förderpreis für KünstlerInnen des Landes NRW in der Kategorie Film und dem Wim Wenders Stipendium. Ihre Arbeiten und Programme werden international in Ausstellungen und Filmfestivals gezeigt.


Impressionen