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blicke 28 - Die Preisträger*innen 2020

veröffentlicht am

Am Samstagabend wurden online folgende Preise vergeben:

Zwei Hauptpreise in der Kategorie ein-blicke für Filme mit biografischem oder thematischem Bezug zum Ruhrgebiet

Erster Hauptpreis, gestiftet von den Stadtwerken Bochum, dotiert mit 2.000 €, geht an

DUNKELFELD von OLE-KRISTIAN HEYER, PATRICK LOHSE, MARIAN MAYLAND, 2020, 16:12 Min.

Begründung: 

Es ist eine Geschichte, die uns packt, ein Film, der uns packt. Weil wahre Begebenheiten aufgearbeitet werden. Historische Fakten und Zusammenhänge werden zunächst fein analysiert. Dabei lässt uns die Erzählung aber auch immer wieder Leerstellen, die wir mit Unterbewusstem und Assoziativem füllen können. Die wir füllen können mit den erschreckenden Bildern, die wir alle in uns tragen. Formal wird mit einer gewissen Behördenästhetik gearbeitet. Mit einer nur scheinbaren Korrektheit wird experimentiert. Das macht die harte und kalte Wahrheit aber nur noch intensiver. Der Film ist mehrsprachig erzählt, in unterschiedlichen Muttersprachen und wird so noch eindrücklicher für unsere Wahrnehmung.

Zweiter Hauptpreis, gestiftet von der Langendreerer Dorfpostille, dotiert mit 1.500 €, geht an

GLÜCK AUF von FUMIKO KIKUCHI, 2018, 26:38 Min.

Begründung:

Der Videoessay erforscht mit feinem Gespür, mit Offenheit und Neugier die kaum bekannte Geschichte japanischer Bergleute als Gastarbeiter im Ruhrgebiet und führt sie parallel mit Fragen der Erzählerin nach dem eigenen Leben in einem fremden Land, der Entscheidung zu bleiben oder zu gehen. Durch die einander gegenüber und nebeneinander gestellten Bildausschnitte, fast buchartig, den Distanz ermöglichenden Schwarzraum, die begleitende Stimme der Erzählerin und die Untertitel, die sich mit dem Film verweben, entsteht eine feine Textur mit ästhetischen und narrativen Brüchen, die verdeutlicht, dass ein “Ganzes” nie zu fassen ist.

Der aus-blicke-Preis für Filme ohne Bezug zum Ruhrgebiet mit einer max. Länge von 45 Min., dotiert mit 500 €, geht an

DER NATÜRLICHE TOD DER MAUS von KATHARINA HUBER, 2020, 21:30 Min.

Begründung:

Der Preis geht an einen Film, der unheimlich viele Ebenen miteinander verwebt. Sowohl inhaltlich als auch in der filmischen und künstlerischen Form. Es ist ein Film, der uns Spaß macht und uns begeistert, der selbstironisch und kritisch ist! Besonders macht er uns neugierig, denn es gelingt, uns durch einen sehr speziellen Filmraum und eine persönliche Erzählung zu führen und uns darin wandern zu lassen. Man lässt uns zusehen beim Denken und Erdenken der Filmfigur. Dabei überrascht der Film uns immer wieder mit unterschiedlichsten, geschickt komponierten Elementen wie Animation, Found Footage, innerem Monolog, und nicht zuletzt einem sehr guten Sound- und Musikkonzept

Der gender&queer-Preis, gestiftet von der Gleichstellungsstelle der Stadt Bochum, dotiert mit 500 €, geht an

OPHELIA von MEIKE REDEKER, 2020, 8 Min.

Begründung:

Geschlechtliche Stereotypen, die dekonstruiert, Machtgefüge, die gebrochen und Sprachdominanz, die hinterfragt wird – ein Film, der dies leistet und dem wir daher gerne den gender&queer-Preis verleihen wollen ist „Ophelia“ von Meike Redeker. Der Film aus der Kategorie „aus-blicke“ besticht durch sein formales wie politisches Konzept: Ein Bild, das sich fest im westlich-kulturellen Gedächtnis verankert hat und durch den Titel des Films heraufbeschworen wird, das 1852 datierte Gemälde Ophelia von John Everett Millais, wird von der Regisseurin selbst performativ reenacted. In der Strömung eines Flusses liegend, umgeben von dunkelgrünem Dickicht gibt die Protagonistin unverständliche Laute von sich. Diese transformieren sich in der Umkehrung der Filmspur zu einer Kritik an der Repräsentation von Frauen in der Bilden Kunst. Der Film zwingt seine Rezipierenden zum Aushalten des zunächst Unverständlichen. Auch wenn das Wasser flussaufwärts fließt, die Welt um- und die Sprache verkehrt aber gleichzeitig richtig herum ihren Inhalt vermittelt, legt der Film und seine Macherin kulturelle Konstruktionen offen und ist für uns daher prädestiniert für den Gewinn des gender&queer-Preises.

Der Querdenker-Preis, vergeben seit 2002, gestiftet von Trailer Ruhr, dotiert mit 600 €, geht an

DER RUF von KARL-FRIEDRICH KÖNIG, 2020, 21:53 Min.

Begründung:

Ein fast epischer Film auf kleinem Raum, Bibelfilm und Western zugleich, der existentielle Fragen von Glauben und Zweifel, Scheitern und Falschverstehen erzählt. Das alles an einem heißen Sommertag irgendwo in Thüringen. Gebannt folgen wir einer vermeintlich beiläufigen filmischen Erzählung, die sehr aus einem Guss kommt. Schauspiel-Inszenierung, Dialoge und Kameraführung sind herausragend.

Eine lobende Erwähnung geht an

AUS AKTUELLEM ANLASS von JOHANNES KLAIS, FLORIAN PAWLICZEK, 2020, 14 Min.

Begründung:

Wir wollen auch eine lobende Erwähnung aussprechen, und zwar für einen Film, der nicht nur als Dokument für die besondere Situation, in der sich unsere Welt gerade befindet, gelten kann, sondern auch als gekonnte Milieustudie auftritt. Eine Milieustudie über das Ruhrgebiet, ein sensibler und aufmerksamer Blick auf seine Protagonist*innen und ihren Alltag – der ein anderer ist – aus aktuellem Anlass. „Aus aktuellem Anlass“ so der Titel des Films von Florian Pawliczek und Johannes Klais verdient eine lobende Erwähnung und hat uns begeistert, weil er die Protagonist*innen des Films, die Wirtin Renate, den Schuhmacher Michael und den Musiker Daniel als Mutmacher*innen in der Krise auftreten lässt.

 21. November 2020, Die Jury: Eva Hegge, Sven Ilgner, Elisa Linseisen

Der Publikumspreis, gestiftet vom Bahnhof Langendreer, dotiert mit 350 €, geht an

AUS AKTUELLEM ANLASS von JOHANNES KLAIS, FLORIAN PAWLICZEK, 2020, 14 Min.